Die Morgensonne lag noch flach über den Dächern der Stadt, als ich – Remo – die letzten Sachen in mein Auto lud. Knuffi stand da wie immer: bereit, zuverlässig, mit dem Dachzelt fest auf dem Dach montiert. Hinter mir wartete Hubsi, mein Anhänger, sauber gepackt und mit einer Plane bedeckt, unter der sich – wie ein kleines Geheimnis – noch etwas ganz Besonderes verbarg. Ich klopfte kurz auf die Motorhaube. „Na, Knuffi… Zeit für unser nächstes Abenteuer.“ Der Motor sprang an, und wir machten uns auf den Weg. Die Stadt verschwand langsam hinter uns, Straßen wurden leerer, die Luft frischer. Ich liebte diesen Moment – wenn alles Alltägliche zurückblieb und nur noch das Unterwegssein zählte. Bald führte mich der Weg durch Wälder. Hohe Bäume, Sonnenstrahlen, die durch die Blätter tanzten, und dieser ruhige, gleichmäßige Rhythmus der Fahrt. Schließlich erreichte ich den See am Waldrand – genau den Ort, den ich gesucht hatte. Ich parkte Knuffi mit Blick aufs Wasser. Motor aus. Stille. „Perfekt“, sagte ich leise. Wie immer ging alles schnell. Dachzelt aufklappen, Stuhl raus, Tisch hinstellen. Dann der Grill. Ich war gerade dabei, das Feuer vorzubereiten, als ich ein Auto hörte. Ein Wagen kam langsam den Waldweg entlang. Er hielt ein Stück entfernt, und der Fahrer stieg aus. Er schaute sich um – dann blieb sein Blick an Knuffi hängen. Am Dachzelt. Man sah sofort: Er war beeindruckt. Er kam näher, ein Lächeln im Gesicht. „Wow… das ist ja richtig cool. Mit Dachzelt und allem.“ Ich grinste. „Ja, das ist mein kleines Setup.“ Er schaute noch einmal genauer hin, dann zum See, dann wieder zu mir. „Sag mal… ich hab kein Dachzelt. Meinst du, ich könnte trotzdem hier bleiben? Nur für die Nacht?“ Ich musste nicht lange überlegen. „Warte mal“, sagte ich und ging zu Hubsi. Ich löste die Plane und zog sie zur Seite. Darunter kam das zweite Dachzelt zum Vorschein. Sauber verstaut, bereit für genau so einen Moment. Ich drehte mich zu ihm um. „Du brauchst kein eigenes. Ich hab eins für dich.“ Er starrte mich kurz an, dann grinste er breit. „Das meinst du ernst?“ „Klar. Dafür ist es da.“ Gemeinsam bauten wir das zweite Dachzelt auf. Neben Knuffi, mit Blick auf den See. Sein Auto stand daneben – ohne Dachzelt, aber das spielte jetzt keine Rolle mehr. Wir setzten uns später zusammen an den Grill, lachten, erzählten. Es fühlte sich an, als hätten wir uns schon lange gekannt. Doch damit war der Tag noch lange nicht zu Ende. Am Nachmittag hörten wir wieder ein Motorengeräusch. Dann noch eines. Ein Auto mit Dachzelt rollte heran. Dann noch eins. Die Fahrer sahen uns, die aufgebauten Zelte, das Feuer – und hielten an. „Ist hier noch Platz?“ rief einer. Ich sah zu meinem neuen Camp-Nachbarn, dann zurück zu den Ankommenden und musste lachen. „Ja, kommt dazu!“ Und so wurden wir mehr. Drei Autos mit Dachzelt. Dann vier insgesamt. Mein Knuffi, zwei weitere mit Dachzelt – und das Auto meines neuen Freundes, das zwar keines hatte, aber trotzdem mittendrin war, dank Hubsi. Am Abend standen wir alle zusammen am Waldrand. Vier Autos, drei Dachzelte auf den Fahrzeugen – und eines vom Anhänger. Ein kleines Dorf. Das Lagerfeuer brannte, Holz knackte, Funken stiegen in den Himmel. Der See lag ruhig da, der Himmel färbte sich langsam in warme Abendfarben. Wir saßen zusammen, erzählten Geschichten. Jeder hatte etwas zu berichten – von Reisen, von spontanen Nächten irgendwo, von Momenten, die man nicht planen kann. Ich lehnte mich zurück und sah in die Runde. „Schon verrückt“, sagte ich. „Heute Morgen war ich noch allein unterwegs.“ Der neben mir lachte. „Und jetzt hast du jemanden ein Dach über dem Kopf gegeben.“ Ich nickte und schaute kurz zu Hubsi. „Manchmal reicht es, vorbereitet zu sein.“ Als es dunkel wurde, kletterte jeder in sein Dachzelt. Vier Stück standen aufgeklappt da – wie kleine Beobachtungsposten unter den Sternen. Auch mein neuer Freund verschwand in seinem – dem von Hubsi. Ich blieb noch einen Moment am Feuer sitzen, sah hinauf in den Himmel. Und dachte mir: Genau so entstehen die besten Geschichten.